Automaten, die im Roman "Das taube Herz" vorkommen
Neben dem von Wolfgang von Kempelen gebauten "Schachtürken" (siehe weiter unten) spielen im Roman "Das taube Herz" zwei andere Androiden-Automaten aus dem 18. Jahrhundert ebenfalls entscheidende Rollen:
La Joueuse de Tympanon - Die Zymbalspielerin
Dieser Musikautomat wurde von Peter Kintzing und David Roentgen gebaut und 1785 von Marie Antoinette gekauft. Die Legende will es, dass das Haar der Puppe das echte Haar der Königin selbst sei.
L'écrivain - Der Schreiber (oder: Der Schriftsteller (!))
In den Jahren 1768 bis 1774 haben der Uhrmacher Pierre Jaquet-Droz, sein Sohn Henri-Louis und Jean-Frédéric Leschot drei Androiden gebaut: die Musikerin, den Zeichner und den Schreiber - l'écrivain, wie er auf Französisch heisst (was auch Schriftsteller bedeutet).
Die drei Automaten sind heute im Musée d'art et d'histoire in Neuenburg ausgestellt und werden einmal im Monat dem Publikum vorgeführt.
Bilder: Kupferstiche von: Gottlieb von Windisch, 1783 (oben) und Joseph Friedrich zu Racknitz, 1789 (unten)
1769 hatte Wolfgang von Kempelen auf Einladung Maria Theresias einer Vorführung magnetischer Experimente beigewohnt, mit der der Franzose Jean Pelletier am Wiener Hof auftrat. Kempelen äusserte sich abfällig über diese Vorführung, kündigte aber an, binnen eines halben Jahres eine wesentlich bessere Maschine konstruieren zu können und führte diese dann zu einem nicht genau bezeugten Zeitpunkt der Kaiserin in Wien vor. Der Schachtürke erregte in kurzer Zeit europaweites Aufsehen und wurde von Kempelen auch in den 1780er Jahren noch einmal auf einer zweijährigen Reise in deutschen und europäischen Städten vorgeführt - so auch 1783 im Café de la Régence in Paris, wo der Automat gegen den berühmten Schachmeister François-André Danican Philidor antrat. Dieses historische Spiel provoziert im Roman Das taube Herz das fiktive Duell zwischen den beiden Schachautomaten "Der Türke" und "La Grande Dame".
Inszenierung einer Vorführung des Schachautomaten, Ausschnitt aus dem Film: "Le joueur d'échecs", Raymond Bernard, France 1927
Schach-"Maschinen" heute
1996 gelang es "Deep Blue" als erstem Computer der Welt, den amtierenden Schachweltmeister, Garri Kasparow, in einer Partie mit regulären Zeitkontrollen zu schlagen, und 1997 auch in einem ganzen Wettkampf.
Das Projekt "Deep Blue" wurde 1985 von Feng-hsiung Hsu gestarted und von ihm bis zu seinem Sieg geleitet.
Behind Deep Blue: Building the Computer that Defeated the World Chess Champion, Feng-hsiung Hsu (2002, ISBN 0-691-09065-3)
In seinem Buch gibt Feng-hsiung Hsu zu bedenken, dass Kasparow nicht gegen einen Computer verloren habe, sondern gegen einen Menschen, der ein schachspielendes "Tool" entwickelt hat.